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Schulpflicht & Pflichtschulabschluss

Minderjährige Flüchtlinge sind in Österreich schulpflichtig. Bis zum Alter von 15 Jahren werden sie in das Regelschulsystem aufgenommen. Über 15-Jährige besuchen einen knapp einjährigen Pflichtschulkurs (erwachsenengerechter Pflichtschulkurs), der in Wien von verschiedenen Trägern angeboten wird (VHS, wuk monopoli, uki, Germanica u.a.m.) Wie viele Schuljahre junge Flüchtlinge bereits in der Heimat absolviert haben, lässt sich in nur wenigen Fällen feststellen, da meist keine Zeugnisse oder andere Dokumente vorhanden sind.

Der Schulbesuch stellt junge Flüchtlinge vor eine große Herausforderung: sie steigen quer in unser Bildungssystem ein, sind mit einer neuen Sprache konfrontiert und müssen sich gleichzeitig auf den Lernstoff konzentrieren. In vielen Fächern gilt es ein beträchtliches Pensum an vollkommen neuen Inhalten zu bewältigen bzw. viel aufzuholen. Viele junge Flüchtlinge sind zudem in ihrer Muttersprache nicht alphabetisiert und benötigen erst die entsprechende Basis, um mit den schulischen Anforderungen überhaupt zurechtzukommen.

Nach Absolvierung des Pflichtschulkurses beginnt die schwierige Suche nach der passenden Ausbildung. Es fehlt an Orientierung über Bildungsmöglichkeiten, über Berufsbilder, die Vielzahl an Lehrberufen und es fehlt an ausreichender Unterstützung bei ausbildungsbezogenen Entscheidungen und vor allem bei der Lehrplatzsuche.

Viele junge Flüchtlinge sind bereits 18, wenn sie den Pflichtschulkurs absolviert haben. Eine Lehre ist von der von einer großen Mehrheit dieser Jugendlichen angestrebte Ausbildungsweg und auch jener, der sich aufgrund der bildungsbezogenen Voraussetzungen am besten für den Einstieg in das Bildungssystem/den Arbeitsmarkt eignet. Schwächen in Mathematik, Deutsch und Englisch erschweren allerdings den nahtlosen Antritt einer Ausbildung bzw. die erfolgreiche Suche nach einem Lehrplatz. Aufnahmetests für Lehrstellen schaffen nur wenige und die Anforderungen eines Assessments sind oft zu hoch. Nur mit einer guten Nachqualifizierung vor allem in Deutsch und Mathematik und guter Begleitung meistern junge Flüchtlinge die Hürden eines Bewerbungsprocederes. In unserem Kernprojekt Bildungswege geben wir jungen Flüchtlingen genau das – eine gute Nachqualifizierung, eine intensive Berufsorientierung mit Praxisbezug, eine solides EDV-Training und eine Reihe von Workshops (Umgang mit Geld, Arbeitsleben, Bewerbungstraining, Sozialsystem in Österreich, Präsentationstraining u.a.m.).

Mit diesen Bildungsmaßnahmen und unserer Empfehlung/Vermittlung zu Unternehmen schaffen sie den Einstieg in eine Lehre. Unsere Unternehmenspartner zeigen Verständnis für die schwierige bildungsbezogene Situation junger Flüchtlinge und geben ihnen gerne Startchancen, schrauben Anforderungen ein wenig zurück, wenn Motivation, Engagement, wirkliches Interesse da sind und fehlende Kenntnisse mit unserer Unterstützung nach und nach aufgeholt werden. Nachhilfe, Mentoring durch Ehrenamtliche und unsere langfristige Begleitung durch die Lehre gewährleisten in hohem Maße, dass die Jugendlichen durchhalten und den Lehrabschluss erfolgreich abschließen.