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Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind Jugendliche, die sich ohne Eltern, ohne Verwandte bzw. sonstige vertraute erwachsene Bezugspersonen in einem Land außerhalb ihrer Heimat befinden. Die meisten sind zwischen 14 und 18, einige auch jünger. Sie flüchten alleine oder werden auf der Flucht von Eltern oder Verwandten getrennt. Meist wird die Flucht eines Kindes (in der Regel des ältesten Kindes, in der Mehrzahl sind es Burschen) von der Familie bzw. von Verwandten über Schlepper organisiert, denen dafür viel Geld bezahlt werden muss.

Fluchterfahrung

Die Flucht der Jugendlichen endet manchmal vorzeitig und nicht im gewünschten Zielland, in dem sich eventuell bereits Bekannte oder Verwandte befinden. Sie dauert oft monatelang, die Routen können von den Jugendlichen meist nicht klar nachvollzogen werden. Sie wissen nicht, durch wie viele Länder sie gereist sind und welche Grenzen sie wo überschritten haben. Schlepperorganisationen achten darauf keine Spuren zu hinterlassen und sowohl Routen, Quartiere als auch schleppende Personen möglichst schnell und oft zu wechseln.

Flucht ist eine Erfahrung, die sich tief in Menschen eingräbt und in den meisten Fällen von traumatisierenden Erlebnissen begleitet ist. Der plötzliche und ungewollte Abschied von der Heimat, der Verlust von Familie, Freunden und der gewohnten Umgebung ist ein Bruch, mit dem Menschen ihr ganzes Leben lang umgehen lernen müssen. Flucht bedeutet Entwurzelung und ist besonders für Jugendliche, die alleine flüchten, schockhaft.

Erreichen die Jugendlichen Österreich, werden sie entweder von der Polizei aufgegriffen, die sie in die Erstaufnahmestelle Traiskirchen bringt oder sie schlagen sich selbst bis Traiskirchen oder zu anderen Anlaufstellen durch. In Traiskirchen wird die Zulassung zum Asylverfahren geklärt, für die eine maximale Frist von 72 Stunden vorgesehen ist. In vielen Fällen wird diese Frist aber um ein Vielfaches überschritten.

Unterbringung/Alltag

Nach der Zulassung zum Asylverfahren wird die Unterbringung der Jugendlichen in einer Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wien oder in den Bundesländern veranlasst. Diese Einrichtungen werden von NGOs geführt (wie Caritas, Diakonie, Don Bosco, Integrationshaus, Verein Zeitraum). Junge erwachsene Flüchtlinge werden im Betreuten Wohnen bzw. in Heimen für Erwachsene untergebracht.

Schwierig ist es leistbaren privaten Wohnraum zu finden. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sind mit der Suche nach einer Wohnung vollkommen überfordert – Mietabschlüsse, Verträge studieren, das Thema Kaution und Ablöse erfordern Erfahrung und Wissen, – beides haben sie kaum bis gar nicht. Ihre finanziellen Verhältnisse lassen zudem nur wenig Spielraum an leistbarer Miete zu. Viele wohnen auch zusammen, einige wenige in Lehrlingsheimen. Sinnvoll wäre die Öffnung von Studentenheimen für unsere Zielgruppe bzw. die Einrichtung eines Bildungsheimes, in dem junge Flüchtlinge mit österreichischen jungen Leuten kostengünstig zusammenwohnen können. Mit Wohnungs- und finanziellen Sorgen ist die Konzentration der jungen Flüchtlinge auf die Ausbildung gefährdet bzw. droht der Abbruch der Ausbildung (meist Lehre). Beim Start in die Ausbildung sind junge Flüchtlinge im ähnlichen Alter wie Studenten, darüber hinaus würde es wichtige integrationsfördernde Kontakte zu österreichischen jungen Leuten ermöglichen.

Mit Erreichen der Volljährigkeit sind junge Flüchtlinge weitgehend auf sich alleine gestellt. Durch den Wechsel in Quartiere für Erwachsene verlieren sie vertraute Bezugspersonen und individuelle Unterstützung im Alltag. Sie müssen von heute auf morgen viele Dinge selbständig in die Hand nehmen, Behördenwege allein erledigen und sich im Asylverfahren selbst vertreten.

Dazu kommt, dass sie in eine Welt “hineinkatapultiert” werden, in der vieles neu, fremd und anders ist – wie Alltagskultur und -codices und anderes mehr. Sie müssen herausfinden, wo sie Informationen und Unterstützung erhalten und wer wofür zuständig ist. Nicht ausreichende Sprachkompetenz erschwert den Zugang zu Informationen und die Kommunikation bzw. den Umgang mit Behörden.

Für Freizeitaktivitäten gibt es zu wenig finanzielle Mittel. Einrichtungen für Minderjährige verfügen über ein Budget aus der Grundversorgung für Freizeitaktivitäten, das aber für die Abdeckung aller Bedürfnisse der Jugendlichen wie Sportkurse, Fitness- oder Fußballclub, Ausflüge, Konzerte u.a. nicht ausreichend ist.

Psychische Belastung

Junge Flüchtlinge kennen und haben keine unbeschwerte Jugend. Sie mussten früh erwachsen werden und auf eigenen Beinen stehen. Sie leiden unter dem Verlust und der Trennung von ihrer Familie und fühlen sich für diese in hohem Maße verantwortlich. Sie übernehmen Rollen, die für ihr Alter überfordernd sind, sind oft Familienerhalter, Vaterersatz für Geschwister und müssen ihren Alltag in Österreich unter schwierigsten Rahmenbedingungen bewältigen.

Aufgrund von negativen Erlebnissen und Erfahrungen in der Heimat und/oder auf der Flucht sind viele Jugendliche traumatisiert und benötigen für die Verarbeitung dieser Erfahrungen Zeit und vor allem Sicherheit, die sie aufgrund der oft jahrelangen Ungewissheit im Asylverfahren nicht haben. Der mehrmalige Wechsel von Unterbringungsorten und Bezugspersonen erhöht den psychischen Stress zusätzlich. Die aufenthaltsrechtliche Unsicherheit lässt die Jugendlichen nur schwer Fuß fassen, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist unter diesen Bedingungen nur bedingt möglich. Die schwierigen Rahmenbedingungen erzeugen Antriebs- und Mutlosigkeit und Depression. Nicht zuletzt erschweren sie die Konzentration auf die schulischen Anforderungen, das konsequente Verfolgen einer Ausbildung.

Statistik Asylanträge


Statistik Asyl- und Fremdenwesen: www.bmi.gv.at/publikationen